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20.07.2017 - 22:45
Foto: Instagram.com/herrwillie

Riskante Spurensuche an vergessenen Orten

17.03.2017, 06:18

Zugegeben: Es sind beeindruckende Aufnahmen, die an diesen verlassenen, oft längst vergessenen oder dem Verfall ausgesetzten Orten entstehen. An ihnen haften historischer Glanz, ein Hauch von Mystik und oft auch der Schauder der Vergangenheit. "Urban Exploring" nennt sich der Trend, der längst auch in Österreich angekommen ist. Es geht darum, auf eigene Faust Einrichtungen des städtischen Raums und sogenannte Lost Places zu erforschen und diesen mit seiner Anwesenheit temporär neues Leben einzuhauchen - meist illegal.

Industrieruinen, aufgelassene Vergnügungsparks, U- Bahn- Tunnel, Kanalisationen, militärische Anlagen oder einfach nur der Öffentlichkeit unzugängliche Stellen in Parks oder Versorgungsschächten in Krankenhäusern: Für die meisten "Urban Explorer", kurz "Urbexer" genannt, geht es darum, einst belebte Orte - oder gleich die "weißen Flecken" auf Landkarten - (meist) rechtswidrig zu erforschen und per Foto zu dokumentieren.

Von der Gesellschaft vergessene Orte

Orte, die von der Gesellschaft großteils vergessen wurden bzw. in der Wahrnehmung der Menschen an den äußersten Rand rückten, üben seit Menschengedenken die größte Faszination auf alle Entdecker aus - so natürlich auch in der großteils digitalen, industriell- kommerziellen Moderne.

Ein berühmtes Beispiel: Prypjat, eine Geisterstadt in der Ukraine, die im Jahr 1970 im Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl gebaut und infolge des Reaktorunglücks von 1986 geräumt wurde, wird gerne und oft für sogenannte Stadterkundungen aufgesucht.

Moderne Entdecker hinterlassen höchstens Fußabdrücke

Vielen "Urban Explorer", oft jungen Leuten, geht es nicht nur um einzigartige Fotos, die auf ihren oft wundersamen Streifzügen, eingetaucht in eine längst vergangene Zeit, entstehen. Viele wollen den ungenutzen, unbewohnten Raum neu beleben, vor der endgültigen Vergessenheit bewahren oder verfolgen gar politischen Aktivismus. Keinesfalls aber sollen beim Entdecken Gegenstände entwendet oder Einrichtungen beschädigt werden. Im besten Falle werden nichts als Fußabdrücke hinterlassen.

Entdeckerreisen mit Adrenalinkick

Diese zunehmend beliebten Explorationen sorgen allerdings in fast allen Fällen für Hausfriedensbruch. Sondergenehmigungen von Grundstücksverwaltern sind selten oder gar nicht zu bekommen, die Faszination rund um die sogenannten Lost Places rundet also oft ein Adrenalinkick ab. Doch wenn in abgeriegelte Gebiete vorgedrungen wird und erst Zäune oder Gerüste erklommen werden müssen, besteht oft Gefahr. Vielfach sind es alte und stark einsturzgefährdete Bauwerke, die besonderes Interesse auf sich ziehen und nicht nur durch unisolierte Stromquellen zahlreiche Risiken bergen.

Der Trend ist längst auch in Österreich angelangt

In Wien ist es vor allem die "Die 78er", Institut für Stadterkundung Wien, die unzugängliche Orte in der Stadt mitsamt deren Umgebung dokumentiert und den Charme von verlassenen Bürogebäuden, dem Verfall freigegebenen Fabriken, herrenlosen Villen oder anderen Orten, an denen die Zeit stillzustehen scheint, fotografisch einfängt. "Dies steht im Kontrast zu einer sonst sehr durchfunktionalisierten Stadt, in der öffentlicher Raum einer fortschreitenden Kommerzialisierung unterliegt. Wir erkunden die weißen Flecken der Stadt, schauen hinter ihre Kulissen, die vielleicht nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind", heißt es in dem Blog .

"Urban Exploring" geht auch legal

Immer mehr Reiseveranstalter nehmen diesen Trend, in der Freizeit das Unbekannte zu erforschen, in ihr Repertoire auf und bieten Führungen und Ausflüge an. Doch auch auf eigene Faust lassen sich Abenteuer zu Ruinen in Wäldern, Luftschutzbunkern oder verfallenen Einrichtungen organisieren - mit der gebotenen Vorsicht natürlich.

Unter Hashtags wie #Urbanexplorer, #abandoned, #urbex, #Lost Places etc. können Sie in diversen sozialen Netzwerken tiefer in die Thematik schnuppern und Tausende "Lost Places" auf der ganzen Welt entdecken - bequem und sicher von der Couch aus, ganz legal.

Redakteurin
Mara Tremschnig
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