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25.09.2017 - 17:18
Foto: flickr.com/141735806@N08

Apple setzt mit neuer iPhone- Generation auf Risiko

09.09.2017, 06:00

Gut zehn Jahre nach dem ersten iPhone wird von Apple wieder ein großer Wurf erwartet: Am kommenden Dienstag soll Gerüchten zufolge ein Super- iPhone vorgestellt werden - mit einem Bildschirm, der praktisch die gesamte Front ausfüllt, und Gesichtserkennung statt der gewohnten Entsperrung per Fingerabdruck. Und die Neuerungen sollen ihren Preis haben: Es wird über einen Startpreis von 1000 Dollar (835 Euro) spekuliert, woraus bei den üblichen Apple- Preisen in der Top- Konfiguration locker noch 1200 Dollar werden können.

Die Börsianer sind jedoch überzeugt, dass der höhere Preis Apple- Kunden nicht abschrecken wird und treiben die Aktie des bereits wertvollsten Unternehmens der Welt (mehr als 830 Milliarden Dollar) seit Wochen fast täglich auf Rekordstände hoch. Seit Jahresbeginn stieg der Kurs um rund 40 Prozent.

Das Aussehen der iPhones war seit Herbst 2014 weitgehend unverändert geblieben, obwohl jährlich das Innenleben und die Software erneuert wurden. Die Erwartung ist, dass ein aufsehenerregendes neues Modell die Verkäufe in Schwung bringen kann - viele Nutzer hätten ihre aktuell genutzten iPhones länger behalten als zuvor.

Dabei rätseln Analysten und Reporter noch darüber, wie viele Geräte Apple zum Start - wahrscheinlich noch im September - auf den Markt bringen kann. Vermutlich werden es drei iPhone- Modelle sein: Die beiden Varianten eines wahrscheinlichen iPhone 7s bzw. 7s Plus, die die aktuelle Form beibehalten, dürften kein Problem sein.

Foto: Apple

Produktionsplan zurückgeworfen

Beim brandneuen Modell (vermutlich mit dem Namen iPhone 8 oder iPhone X) rechnen zum Beispiel die Analysten von Citi Research aber damit, dass es erst im Oktober oder November in größeren Mengen verfügbar sein wird. Grund für die Verzögerung seien vor allem Probleme bei der Produktion der kontrastreicheren OLED- Displays, die das iPhone erstmals statt der üblichen LCD- Bildschirme bekommen soll. Das "Wall Street Journal" berichtete in der Nacht auf Freitag, die Schwierigkeiten hätten den Produktionsfahrplan im Sommer um einen Monat zurückgeworfen.

Auslöser für die Probleme soll letztlich die Bildschirmgröße sein. Mit dem neuen flächendeckenden Design soll es zwar möglich sein, ein Display mit 5,8 Zoll Diagonale - mehr als bei den aktuellen Plus- Modellen - in ein Gehäuse zu packen, das nur leicht größer als beim Standard- iPhone ist. Doch der Verzicht auf einen Rahmen ober- und unterhalb des Bildschirms wirft Fragen auf: Was macht man mit dem Lautsprecher, der Selfie- Kamera und dem traditionellen runden Home- Button, den bisher alle iPhones hatten? Nach bisherigen Informationen finden Kamera und Lautsprecher in einer Aussparung am oberen Rand des Displays ihren Platz. Und ein virtueller Home- Knopf soll im Bildschirm selbst platziert werden.

Foto: IKEA

Bleibt noch die Frage, was mit dem Fingerabdruck- Scanner passiert, der seit dem iPhone 5s von 2013 im Home- Button integriert ist. Er hat sich zu einem zentralen Element von Apples Sicherheitsstrategie entwickelt: Durch Auflegen des Fingers kann man nicht nur das iPhone oder eine Apple Watch entsperren, sondern auch Zahlungen über das Bezahlsystem Apple Pay freigeben - statt einer PIN- Eingabe. Außerdem nutzen Banking- Apps und andere sensible Programme die "Touch ID". Apple betonte stets selbst, dass biometrische Identifikation alles viel sicherer mache als Passcodes - und damit ist der Fingerabdrucksensor eigentlich unverzichtbar.

Gesichtserkennung statt Fingerabdruckscan

Samsung verlegte bei seinem Galaxy- Smartphone mit großem Bildschirm den Fingerabdruck- Scanner kurzerhand auf die Rückseite. Das stieß aber auch auf Kritik, weil die Anwender beim Entsperren des Smartphones immer wieder versehentlich die Kameralinse neben dem Fingerabdrucksensor verschmierten. Apple soll laut Medienberichten zunächst versucht haben, den Sensor direkt ins Display einzubetten. Das habe sich jedoch als zu große Herausforderung erwiesen und der Plan sei wieder aufgegeben worden.

Jetzt soll sich das neue iPhone per Gesichtserkennung entsperren lassen - und Branchenbeobachter sind gespannt, wie Apple diese Technologie gemeistert hat. Schließlich musste Erzrivale Samsung hämische Kommentare einstecken, nachdem Journalisten demonstriert hatten, wie leicht das Gesichtserkennungssystem mit Fotos oder Videos ausgetrickst werden kann.

Foto: stock.adobe.com, krone.at-Grafik

Bei Apple setzt man Gerüchten zufolge eine weitere Kamera zur Tiefenmessung oder einen Infrarotsensor ein, damit das System nicht so leicht ausgetrickst werden kann. Auf jeden Fall muss die Gesichtserkennung mindestens genauso schnell und ähnlich sicher funktionieren wie der bisherige Touch- ID- Scanner.

OLED- Display soll Preis nach oben treiben

Das neue Display soll auch ein Grund für den höheren Preis beim neuen iPhone sein. Der renommierte Branchenanalyst Ming- Chi Kuo von KGI Securities schätzt, dass Apple 45 bis 55 Dollar für einen LCD- Bildschirm in den aktuellen iPhones ausgibt. Für die neuen komplexeren OLED- Displays verlange Hersteller Samsung aber bis zu 130 Dollar. Zugleich sieht der gut vernetzte Apple- Kenner John Gruber, der schon vor Monaten einen Preisrahmen von bis zu 1500 Dollar für ein Spitzenmodell ins Gespräch brachte, darin auch einen Befreiungsschlag für Apple. Der Konzern könne neuere Technologien verwenden, wenn er nicht Dutzende Millionen Geräte fürs Weihnachtsgeschäft verfügbar machen müsse.

Weitere Neuheiten erwartet

Als weitere Neuheiten erwartet werden die dritte Generation der Apple Watch, die erstmals mit einem LTE- Mobilfunkanschluss unabhängiger vom iPhone werden soll, sowie ein neues Modell der Fernsehbox Apple TV mit 4K- Auflösung. Mit dem Event wird zudem das "Steve Jobs Theater" im gerade fertiggestellten riesigen neuen Hauptquartier eingeweiht. In diesen Wochen beziehen über 12.000 Apple- Mitarbeiter das riesige ringförmige Gebäude im neuen Apple Park.

Apples neuer Campus soll bis voraussichtlich Ende des Jahres in Cupertino fertiggestellt werden.
Foto: Apple

Redaktion
krone.at
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