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01.05.2017 - 08:28
Foto: thinkstockphotos.de

"Ihr Herz ist da!"

16.04.2017, 06:00

Der heute 72- jährige Walter Weiss lebt seit 32 Jahren mit einem Spenderorgan und es geht ihm gut. Mit seiner Frau Eva besuchte er kürzlich die Abteilung für Herzchirurgie am Wiener AKH, wo er seinerzeit operiert wurde.

Gleich vorweg: Bei einem nicht mehr funktionstauglichen Herzen ist die Transplantation erstens einzigartig und zweitens eine logistische Meisterleistung! Andernfalls würde einer unserer "Paradepatienten", der heute 72jährige Walter Weiss aus Groß Enzersdorf, seit 32 Jahren nicht mehr leben. Lassen wir ihn seine Geschichte selbst erzählen:

"Ich war Maschinenschlosser und habe körperlich schwer gearbeitet. Lapalien wie eine Verkühlung nahm ich nie ernst. Und so ist es halt passiert: Nach einem ziemlich heftigen grippalen Infekt bin ich leider viel zu früh wieder arbeiten gegangen. Als ich auf dem Firmenparkplatz aus dem Auto gestiegen bin, bekam ich plötzlich Atemnot. Ich habe nach Luft gerungen und wurde zum Arzt gebracht. Zunächst wurde nichts gefunden, dann hat aber der Betriebsarzt doch gemeint: ,Sie haben etwas!‘

Warten auf die "neue Pumpe"

Die Diagnose lautete Entzündung des Herzmuskels infolge einer ,übertauchten‘ Grippe. Der Muskel konnte nicht mehr richtig arbeiten, wie mir nach weiteren Untersuchungen mitgeteilt wurde. Mein Leben wäre nur noch durch eine Herzverpflanzung zu retten. Im Wiener AKH übernahmen mich damals die Professoren Dr. Axel Laczkovics und Ernst Wolner. Weil alle anderen Organe bei mir OK waren, wurde ich auf eine Liste gesetzt und durfte als erst 5. Patient in Wien auf ein Spenderherz warten. Zum Glück hat es nicht sehr lange gedauert, bis die erlösende Nachricht kam: ,Ihr Herz ist da!‘ Weil ich zu diesem Zeitpunkt ohnedies im Spital gelegen bin, ist alles recht schnell gegangen. Ich wurde operiert und wachte tatsächlich wieder auf. Allerdings ging es mir anfangs schlecht. Es gab Probleme mit Fieber. Ich habe vom Fenster aus auf ein Betondach geschaut und wollte nur eines: Ab ins Grüne! Später auf Reha in Felbring kehrten meine Lebensgeister jeden Tag ein bisschen mehr zurück."

Foto: Zwefo

Wie hat Ehefrau Eva diese harte Zeit erlebt? "Es war wirklich zum Verzweifeln! Schließlich hatten wir zwei Kinder im Alter von 3 und 11 Jahren. Der Eingriff musste ganz einfach wegen der Kinder klappen! Aber Walter hat zum Glück alles gut überstanden und wir genießen wirklich jeden Tag!" Seit 32 Jahren lebt Walter Weiss jetzt schon mit seinem neuen Herzen. Wie geht es ihm momentan? "Recht gut. Ich spüre halt das Alter. Aber ich kann ein völlig normales Leben führen. So zum Beispiel fahre ich mit 72 noch immer gerne mit dem Rad."

Ständige Bereitschaft und Koordination

Ist das Verpflanzen eines fremden Herzens ein besonders schwieriger Eingriff? Für einen geübten Spezialisten eigentlich nicht. Einer davon ist der Leiter unserer Transplantationsabteilung, Univ.- Prof. Dr. Andreas Zuckermann. Er wird nachfolgend den genauen Vorgang bei dieser Operation beschreiben, die wegen besonderer organisatorischer Herausforderungen nur an entsprechenden Zentren durchgeführt werden kann: "Grundlage ist eine 7/24- Bereitschaft also 7 Tage in der Woche und 24 Stunden täglich. Es muss daher immer zwei Teams geben. Für die Organisation gibt es sogenannte Koordinatoren, die das Organangebot entgegennehmen. Sie regeln den Transport (Auto, Hubschrauber oder Flugzeug), sorgen für einen Operationssaal, ein Intensivbett, ein Entnahme- und ein Implantationsteam.

Im Spital arbeiten verschiedene Chirurgenteams perfekt zusammen. Zunächst klemmt man die Hauptschlagader ab. Dann wird das Spenderherz mit einer eiskalten, kaliumreichen Flüssigkeit versorgt und außen mittels sterilen Eislösungen auf 4 bis 6 Grad C heruntergekühlt. Kalium erzeugt einen Herzstillstand, der rückgängig gemacht werden kann. Das gekühlte Herz schlägt nun nicht mehr und wird nach der Abtrennung aller Blutgefäße entnommen. Danach kommt das Herz in sterile Schutzlösungen und wird in eine Eisbox gelegt. Jetzt muss das Team so schnell wie möglich ins Transplantationszentrum gelangen, weil das Organ nur rund 4 Stunden ohne sauerstoffreiches Blut überleben kann.

Patient kurzzeitig "herzlos"

Der Patient liegt beim Eintreffen der neuen ,Pumpe‘ bereits auf dem OP- Tisch. Der Brustkorb wird eröffnet und das Herz freigelegt. Während des Eingriffes übernimmt eine Herz- Lungenmaschine den Kreislauf. In höchster Konzentration erfolgt der Schritt, nachdem es kein Retour mehr gibt: Die Hauptschlagader wird abgeklemmt und das kranke Herz ähnlich wie das Spenderherz entfernt. Bis es endgültig zu schlagen aufhört, bewegt es sich noch einige Zeit außerhalb des Körpers. Schon währenddessen inspiziert das Team den leeren Brustkorb, ob alle Stellen für Nähte geeignet sind. Der Koordinator gibt alle wichtigen Informationen an das Team weiter.

Dr. Günther Laufer (Mitte) präsentiert mit seinen Kollegen eine neue, besonders kleine Herzpumpe
Foto: Zwefo

Dann wird das Spenderherz ausgepackt und ,zurechtgeschnitten‘, bis es perfekt passt. Dann wird es mit Eis bedeckt, um kühl zu bleiben. Die Chirurgen beginnen, die erste Nahtreihe zu setzen. Die Nähte müssen so genau gesetzt werden, dass es später nur ja nicht zu Blutungen kommen kann. Schnelligkeit ist dabei trotzdem ein absolutes Muss! Nachdem das neue Herz an seinem Platz fest vernäht ist, lässt man langsam Blut hinein fließen. Dann kommt der spannendste Moment: Man wartet auf den ersten Herzschlag!

Kreislauf langsam wieder selbst versorgt

Falls dieser nicht von selber eintritt, wird mit einem sanften Stromstoß nachgeholfen. Die Ärzte lassen das Herz nun unter voller Entlastung durch die Herz- Lungemaschine solange schlagen, bis der oft schwierigste Teil der Operation in Angriff genommen wird: Das ,Abgehen‘ von der Maschine. Erst dann steht fest, ob das neue Organ den Kreislauf vollständig übernehmen kann. Ab jetzt sind die Anästhesisten am Zug. Sie starten alle Medikamente, die den Patienten unterstützen. Ähnlich wie in einem Flugzeug- Cockpit werden sämtliche Geräte überwacht. Langsam lässt das ganze Team den Kreislauf vom Spenderherzen übernehmen. Die Operation dauert zwischen 5 und 10 Stunden."

Prim. Univ.- Prof. Dr. Günther Laufer, Kronen Zeitung

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