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21.09.2017 - 18:09
Foto: Ljupco Smokovski/stock.adobe.com

Wenn Zwänge das Leben diktieren

11.09.2017, 06:00

Dass alle Dinge in geregelten Bahnen ablaufen, gibt Menschen Sicherheit. Wird der Wunsch nach Ordnung und Kontrolle aber zur Sucht, ist das krankhaft. Ebenso, von bestimmten Gedanken besessen zu sein.

Zum wiederholten Mal dreht Franz um und kontrolliert, ob der Herd wirklich abgeschaltet ist. Sigrid muss sich nach jeder Berührung gründlich die Hände waschen, Tom sperrt stets zehnmal auf und zu, bevor er die Wohnung verlassen kann. "Der Wunsch nach Ordnung und geregelten Abläufen ist grundsätzlich gesund. Er hilft dem Menschen, seinen Alltag zu organisieren sowie zu bewältigen. Ordnung gibt Sicherheit und das Gefühl, das Leben gestalten und kontrollieren zu können", erklärt die Wiener Klinische und Gesundheitspsychologin Mag. Maria Moritzer.

Ordnungsliebe stellt allerdings dann eine Belastung und ein krankheitswertiges Symptom dar, wenn sie zu einer Zwangshandlung wird. "Betroffene verlieren sich in immer gleich ablaufenden Handlungen, die unzählige Male wiederholt werden müssen. Das führt zu Wasch- und Putzzwang, den Drang, zu zählen oder zu ordnen sowie bestimmte Reihenfolgen einzuhalten. Es zeigen sich manchmal aber auch andere ritualisierte Abläufe, die nicht aufgegeben werden können. Der Kontrollzwang, also sich über die Maßen oft zu vergewissern, ob die Türe abgesperrt oder der Herd abgedreht ist, gehört ebenfalls dazu. Diese quälenden Verhaltensweisen verbrauchen enorm viel Zeit und Kraft."

Gedanken in "Endlosschleife"

Auch wenn einem bestimmte Dinge ständig im Kopf "herumgeistern", kann das ausarten. So genannte Zwangsgedanken sind immer wiederkehrende Ideen, Impulse und Vorstellungen, die unangenehm und verängstigend wirken, aber nicht Beiseite gelassen werden können. Oft geht es um aggressive und sexuelle Inhalte oder um chronische Zweifel an der Ehrlichkeit anderer Personen. Solche Gedanken und Rituale kennen die meisten Menschen von sich selbst. "In mildem Ausmaß ist das nicht krankheitswertig. Wenn der Alltag dadurch allerdings deutlich eingeschränkt wird und ein großer Leidensdruck bei den Betroffenen besteht, spricht man von behandlungsbedürftigen Zwangsstörungen. In schweren Fällen ist ein normales Leben gar nicht mehr möglich. Hier ist professionelle therapeutische Hilfe notwendig", betont Mag. Moritzer.

Der Ursprung von zwanghaften Verhaltensweisen und Gedanken liegt vermutlich in der frühen Kindheit. Oft gibt es mehr oder weniger traumatisierende Erlebnisse oder Situationen, verbunden mit dem Gefühl von Kontrollverlust, die beim Kind große Angst hervorrufen können und sich in späteren Jahren auf diese Weise auswirken. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung ist im Laufe ihres Lebens davon betroffen.

Therapie ist wichtig

Um die Symptome schwerer Zwangserkrankungen zu verbessern, wird zunächst medikamentös behandelt, unterstützt durch Psychotherapie. Bei 20 bis 30 Prozent schlägt diese Kombination allerdings nicht an. Neueste Forschungsergebnisse, die auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie vorgestellt wurden, zeigen, dass hier die "tiefe Hirnstimulation" eine Alternative darstellen kann. Durch einen operativen Eingriff wird eine Art Schrittmacher eingesetzt, der kontinuierlich schwache elektronische Impulse in Strukturen, die in der Tiefe des Gehirns liegen, abgibt. Bei mehr als der Hälfte der Patienten stellten die Experten eine Reduktion der Beschwerden fest.

Dr. Eva. Greil- Schähs, Kronen Zeitung

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