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19.09.2017 - 13:36
Foto: Warner Music

Jess Glynne: Über Nacht zum Welterfolg

02.07.2017, 17:00

Vor gut drei Jahren legte die Britin Jess Glynne ihre eindrucksvolle Soulstimme über die Beats von Clean Bandit und "Rather Be" stieß vier Wochen an die Spitze der UK- Charts. Wenig später erschien ihr Debütalbum "I Cry When I Laugh" und mit den R&B- dominierten Songs schaffte es als erst zweite Künstlerin überhaupt fünfmal in Serie an die Chartspitze. Ihr Österreich- Debüt gab die 27- Jährige unlängst vor hagerer Kulisse in der Wiener Arena. Vor ihrem Auftritt sprach der sympathische Rotschopf mit uns über ihr neues Leben als Star, warum die Fans schon so lange auf den Nachfolger warten müssen und wie gerne sie Kinder im Musikbereich unterstützt.

"Krone": Jess, vor knapp drei Jahren bist du als Sängerin der Clean Bandit- Songs "Rather Be" und "Real Love" fulminant durchgestartet. Deine Karriere als R&B- Künstlerin mit eindringlicher Soulstimme startete und in deinem Leben änderte sich in kurzer Zeit alles. Hast du damals realisiert, was da gerade alles passierte?
Jess Glynne: Es war eine ziemlich verrückte Zeit, denn eigentlich habe ich gerade mein Debütalbum fertiggestellt, mich aber trotzdem dafür entschieden, vorher "Rather Be" zu machen. Der Song ging so extrem durch die Decke, dass ich in eine Dimension katapultiert wurde, für die ich menschlich noch gar nicht bereit war. Es gab Promotermine, Touren und ich musste auch noch mein Album fertigkriegen. Ich habe aber sehr viel über mich selbst gelernt und es half mir unglaublich stark, als Mensch zu reifen und erwachsen zu werden. Ich wurde nicht nur zur Frau, sondern vor allem auch zur Geschäftsfrau.

Hast du dich im privaten und persönlichen Bereich durch den Erfolg fundamental verändert?
Ich hatte keine große Persönlichkeitsänderung, denn ich bin eine sehr bodenständige Person. Ich bin immer noch mit all meinen guten Freunden aus der Schulzeit in Kontakt und meine Familie würde mir sofort eine mitgeben, wenn ich mit meinem Verhalten aus dem Rahmen fallen würde. (lacht) Ich bin ziemlich bodenständig und achte sehr stark darauf, dass sich das nicht ändert.

Du hast vor deiner Karriere in Boutiquen oder Friseursalons gearbeitet. Ist es für deine gesamte Karriere betrachtet wichtig, dass du auch die Erfahrungen in "normalen Jobs" gesammelt hast?
Das ist sogar extrem wichtig. Mir haben diese Jobs gezeigt, wofür man sein Geld verdient, denn im Leben wird dir nichts geschenkt und du musst für dein Glück und deine Erfolge kämpfen. Ich habe zwischen 14 und 23 gearbeitet, war also lange in normalen Jobs tätig. Du kannst dir kein Essen auf den Teller legen, wenn du nicht dafür arbeitest und du kannst auch nicht reifen und besser werden, wenn du keine Erfahrungen im normalen Leben machst. Ich habe aber nicht nur viel über mich selbst gelernt, sondern auch über andere Leute, das Arbeitsleben an sich und die Probleme, die es mit sich bringt. Gerade im Musikbusiness ist das ungemein wichtig, denn wenn du niemals normal gearbeitet hast und von klein auf Erfolg hattest, dann wirst du mit Sicherheit daran zerbrechen, wenn es mal nicht so läuft. Ich musste auch um 6.30 Uhr aufstehen und hatte Deadlines. Ich genieße mein Leben als Sängerin und Musikerin natürlich, aber ich weiß genau, wie sich die andere Seite anfühlt. Deshalb behandle ich jeden Menschen gleichwertig und von meiner Crew wird keiner sagen können, ich würde mich dämlich aufführen. Ich habe unheimlich viel Respekt vor allen und das sollen sie spüren. Niemand soll aufwachen und in einer Umgebung sein, in der er sich nicht wohlfühlt. Das kenne ich selbst von früher nur zu gut und ich will sichergehen, dass es bei mir keinem passiert. Sobald das eintritt, kann jeder zu mir kommen und offen mit mir zu reden, denn am Ende soll sich einfach jeder wohlfühlen. Jeder ist Teil meiner Familie.

In der Realität wird das aber manchmal trotzdem schwierig sein, denn deine alten Schulfreunde führen ein komplett anderes Leben als du.
Natürlich ist das alles anders als früher, das war auch der schwierigste Part meiner neuen Karriere. Ich habe leider nicht mehr die gleich enge Bindung zu den Leuten, weil es mir mein Job schwer macht, immer da zu sein und sie zu sehen, aber wir sind dennoch sehr eng miteinander verbunden. Man sieht sich weniger, aber das Gefühl ist nicht anders.

Deine Mutter arbeitete als A&R bei Atlantic Records, als du noch klein warst. In der englischen Presse gab es Stimmen, dass du ohne diese Verbindungen keine solche Karriere hingekriegt hättest. Ärgert dich diese Einschätzung?
Ich habe das niemals so mitgekriegt, zumindest hat es mir niemand gesagt. Sie arbeitete in diesem Job als ich noch ein Baby war. Sie war jemand, die mich von Anfang an vor dem harten Geschäft warnte und mich nicht offensiv unterstützte, sondern mich eher davon abhalten wollte, in diese Art von beruflicher Unsicherheit zu laufen. Sie wusste sehr genau wie hart und brutal dieses Business ist. Sie hat mich immer überall unterstützt, aber sie hat mir keine Märchen erzählt, sondern war immer sehr ehrlich. Das war auch der Grund, warum ich immer gearbeitet habe, weil man nicht alles auf eine Karte setzen kann.

Ist es heute schwieriger, den Menschen zu vertrauen, denn je berühmter du wirst, umso mehr Trittbrettfahrer nisten sich in deinem Windschatten ein?
Natürlich, das ist eine schwierige Sache. Es geht immer um den Charakter der Menschen. Du musst einfach ausloten, mit wem du abhängst und wer dir gut tut oder nicht. Das ist ein Lernprozess, aber man wird bei der Einschätzung immer besser.

Ich fand es ziemlich lustig, dich vor dem Interview mit deinen Backgroundsängerinnen Karten spielen zu sehen. Normalerweise hängen Künstler deines Alters in irgendeiner Ecke und durchforsten ihr Smartphone…
Wir spielen immer Karten, denn ich finde es total nett, die Uhren für einige Momente anzuhalten, sich vom Stress der Welt abzukapseln und einfach den Moment zu leben. Ich will mich nicht immer darum sorgen, was bei mir daheim passiert oder was mir die Nachrichten an negativen Stoff vermitteln wollen. Ich wache auf, wir sind am neuen Konzertort, ich verbringe dort meine Zeit, spiele mein Konzert und wir fahren weiter. Das ist einfach angenehm, weil ich mich nicht gerne sorge. Ich schreibe gerade viel Musik für das kommende zweite Album und sehe keinen Grund, die ganze Zeit Dinge von mir im Internet zu posten. Ich bin nicht der Meinung, dass ich mein ganzes Leben mit der Öffentlichkeit teilen muss. Ich habe in den letzten drei Jahren viel gegeben, aber ich musste einfach eine Pause machen und mich von all den Dingen abkapseln. Es ist wichtig, keinen Druck der sozialen Netzwerke zu spüren, denn es ist so einfach, dass dich das Internet für Stunden aus der Realität trägt. Man wird immer bewertet und beginnt unweigerlich selbst, sich mit anderen zu vergleichen und dann zu überlegen, was man besser getan oder nicht getan hätte - eine sehr ungesunde Art zu leben. Jeder hat eine Meinung zu deinem Leben, wenn du in der Öffentlichkeit stehst. Ich war das früher nicht gewohnt und gehe deshalb noch immer vorsichtig damit um. Es ist ein immerwährender Lernprozess.

Wie schaut es denn bezüglich neuer Musik aus? Hast du schon fertige Songs?
Ich schreibe schon länger daran und es ist sehr aufregend. Man kann den Prozess aber nicht künstlich beschleunigen und ich will keinem den Glauben vermitteln, es kommt jetzt bald etwas, wenn ich selber nicht weiß, wann ich damit fertig sein werde. Derzeit ist nichts bereit und ich habe nichts fertiggestellt. Mein Debütalbum hat insgesamt drei, sogar knapp vier Jahre verschlungen. Der Nachfolger wird mich zwar nicht so lange aufhalten, aber in fünf Minuten habe ich die Songs auch nicht beisammen.

Wenn man so durchstartet wie du und als erste weibliche Künstlerin nach Cheryl Cole fünf Nummer- eins- Hits in Folge in die englischen Charts bringt, gibt es wohl auch eine Menge Druck…
Der Druck ist da, das kann ich nicht von mir wegschieben. Ich versuche einfach nicht zu sehr daran zu denken, denn je mehr ich mir darüber den Kopf zerbreche, umso mehr Fragezeichen und Sorgen tun sich bei mir auf. Ich bin wirklich extrem heiß darauf, endlich neue Musik zu veröffentlichen, aber ich muss den Fokus weiter richtig halten und darf nichts überstürzen, was mir im Endeffekt leid tun würde.

Bist du jemand, der nur sehr schwer mit seinen eigenen Songs zufrieden ist?
Auf jeden Fall, weil du immer etwas weglassen oder hinzufügen willst, aber irgendwann musst du die Songs ziehen lassen. Es ist nicht immer einfach, aber unerlässlich.

Das erste Album "I Cry When I Laugh" lebte von der Dualität zwischen guter Laune und Depression. Einerseits hast du damals deinen lang ersehnten Plattenvertrag bekommen, andererseits ging deine Beziehung in die Brüche. Welche Inspirationen werden dem Nachfolger zugrunde liegen?
Für mich geht es jetzt um die Situation der letzten drei Jahre. Ich sehe ein Album als ein Buch, das aus verschiedenen Kapiteln meines Lebens besteht. Ich schaue zurück und reflektiere was ich erlebt habe und was mir durch den Kopf geht. Das wird immer auf jedem Album zu hören sein.

Wie notwendig war für dich die Pause, nachdem du nach dem Albumrelease quasi unentwegt mit dem Material durch die Welt getourt bist?
Extrem wichtig, auch jetzt spiele ich nur ein paar Festivals und ausgewählte Sommershows. Dieses Jahr war bislang wirklich ruhig und das war eine sehr bewusste Entscheidung.

Du bist nebenbei noch musikalische Botschafterin für den National Citizen Service (NCS) in Großbritannien. Was genau ist diese Organisation und was ist deine Aufgabe darin?
Grob zusammengefasst bringt es Kindern wichtige Informationen über das musikalische Leben außerhalb des schulischen Bereichs. Ich finde das wundervoll, weil mir diese Möglichkeit als Kind leider fehlte. Du lernst dort für das Leben außerhalb von Mathe, Englisch und Geschichte, verschiedenste Dinge über Möglichkeiten in deinem Leben, die dir als Kind meist keiner sagt. Ich selber wusste etwa nicht, dass ich mir für meine Musik Förderungen holen kann oder die Möglichkeit habe, mit Songwriting für andere Musiker Geld zu machen. Es gibt Millionen Dinge im musikalischen Bereich, die dir einfach niemand sagt. Infos, die du dir sonst mühsam selbst zusammenkratzen musst. Es hilft vor allem Kindern, die in ihrem Leben nicht so viel Glück haben und finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Es ist eine sehr günstige Organisation, die dir hilft, erwachsen und wachsam zu werden.

Lernst du in diesem Fall auch selbst viel von den Kindern, mit denen du arbeitest?
Natürlich. Du sitzt mit diesen Kids zusammen und redest über ihre Visionen und Inspirationen und das ist so wunderbar. Es ist einfach schön, dass du den Leuten beim Träumen zusehen kannst. Die Menschen vergessen leider immer mehr, an Dinge zu glauben.

Du willst die Träume dieser Kids auch unterstützen und forcieren?
Alles ist möglich, du musst nur hart genug dafür arbeiten. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Bildungssystem in England in die falsche Richtung geht, aber Organisationen wie die NCS sind unheimlich wichtig, weil du die Inhalte dort in keiner Schule lernst. Das Schulcurriculum besteht schon seit Hunderten Jahren, das kannst du ohnehin nicht aus den Angeln heben. (lacht) Aber es ist schön, dass man zusätzliche Optionen anbieten kann.

Du hast dir selbst in den letzten Jahren sicher auch schon einige Träume erfüllen können - welche sind noch unerfüllt?
Ich habe mir keine Träume erfüllt. Ich hatte viele Träume, die ich zu großen Teilen verwirklichen konnte, aber da ist noch so viel, dass ich erreichen will. Ich habe mein höchstes Level noch lange nicht erreicht. Ich habe erst ein Album veröffentlicht, will noch die ganze Welt erobern und noch viel mehr und bessere Musik erschaffen.

Sind deine größten Ziele und Wünsche überhaupt stringent mit Musik verbunden?
Nicht zwingend. Ich will auch mal eine Familie gründen, ein schönes Leben haben und hoffe, dass alle Menschen, die ich liebe, gesund und glücklich bleiben. Ich will aber auch ein weiteres Album erschaffen, dass auf der ganzen Welt für Aufsehen sorgt und von den Leuten gemocht wird. Ich würde mich auch freuen, vielleicht einmal schauspielerisch zu arbeiten. Die Welt steht mir noch offen.

Redakteur
Robert Fröwein
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