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27.06.2017 - 23:01
Foto: Warner Music

Royal Blood: Mehr Platz für musikalische Reife

18.06.2017, 17:00

Mit ihrem gleichnamigen Debütalbum fiel das britische Rock- Duo Royal Blood vor gut drei Jahren wie ein Rudel Wölfe in die Charts. Innerhalb kürzester Zeit straften sie all jene Lügen, die das einst so beliebte Musikgenre für tot hielten. Nach zahlreichen Touren und einer wohlverdienten Pause sind Mike Kerr und Ben Thatcher mit dem Nachfolger "How Did We Get So Dark?" wieder zurück - und zeigen sich darauf gereifter und durchaus progressiver. Mehr dazu erzählte uns Thatcher im Interview.

Die Rockmärchen der alten Tage - es gibt sie manchmal auch noch heute. Mike Kerr und Ben Thatcher haben schon in Teenagertagen gemeinsam in einer Band gespielt, dann eigene Wege beschritten und sich 2013 wieder gefunden. Die Idee, die ganz profan geboren wurde als Thatcher Kerr am Flughafen abholte, nachdem dieser sein Sabbatical in Australien beendete, sollte sich aber erst im Laufe der Zeit als golden erweisen. Royal Blood schafften es anfangs nicht einmal in der 100.000- Seelen- Stadt Worthing zu Auftritten zu kommen und endeten mit talentierten Akustikbarden auf Singer/Songwriter- Bühnen. Beharrlich verfolgten die beiden Musikgeeks aber ihren Weg, landeten im Management der Arctic Monkeys und erlangten schon vor dem Release ihrer allerersten Single große Aufmerksamkeit, als deren Drummer Matt Helders beim Glastonbury 2013 mit einem Royal Blood- Shirt durch die Gegend stakste.

Kometenhafter Aufstieg

Was im Folgejahr passierte, ging in die Annalen der modernen Rock- Historie ein. Mit ihrem gleichnamigen Debütalbum eroberten sie Platz eins in den britischen und Platz fünf in den amerikanischen Charts. Sie verkauften mehr als eine Million Exemplare, waren bei Showmaster Howard Stern zu Gast, tourten mit den Foo Fighters, bekamen mit Led Zeppelin- Legende Jimmy Page einen berühmten Fan und wurden schlussendlich 2015 von ebenjenem mit dem BRIT- Award als "Best British Band" ausgezeichnet. Dazwischen lagen endlose Touren, gefeierte Festivalauftritte und eine Karriereexplosion, die man für eine Rock- Band ohne Autotune, grellbunte Bühnenshows und zeitgeistigen Soundkaskaden niemals mehr für möglich gehalten hätte. Stimme, Schlagzeug, Bass und ausgefeiltes Songwriting reichten, um Fans zwischen Jack White, den Black Keys oder Death From Above 1979 in Wallungen zu versetzen.

"Wie man das Wort Erfolg definiert, das obliegt jedem selbst und sieht auch jeder anders", blickt Drummer Thatcher im Interview mit der "Krone" auf drei explosive Jahre zurück, "wir haben jedenfalls jeden Tag so genommen, wie er uns begegnete. Natürlich kam unser Aufstieg radikal und die Außensicht darauf kann ich durchaus nachvollziehen, aber wir haben all dem niemals eine Wichtigkeit beigemessen, sondern einfach weitergearbeitet." Die Bescheidenheit ist neben der typisch britischen Working- Class- Mentalität der zweite wichtige Baustein für Erfolg und Popularität im Bandcamp. "Wir machen Musik, weil wir es lieben und nicht um Dave Grohl oder Jimmy Page zu beeindrucken. Wir sind jedem Menschen, der zu unseren Shows kommt und unsere Alben kauft zu Dank verpflichtet."

Endlose Dankbarkeit

Das Ausgebranntsein, das von vielen hart arbeitenden Musikern bei kreativen Schwächephasen oder langen Pausen ins Spiel gebracht wird, lassen Royal Blood nicht gelten. "Du musst extrem vorsichtig sein, worüber du dich in unserer Situation beklagst. Natürlich war das ständige Reisen nicht immer leicht, aber wir haben den besten Job der Welt. Wir verdienen Geld mit unserer Musik, können Fans begeistern und kommen an Ecken dieser Welt, die andere niemals erleben dürfen. Wir verspüren dahingehend große Dankbarkeit." Da wirkt es fast wie ein Hohn, dass Royal Blood drei Jahre nach ihrem großen Durchbruch endlich mit einem neuen Album um die Ecke kommen und dieses "How Did We Get So Dark?" nennen. Mit dunklen Zeiten per se hat der Titel aber nichts zu tun, wie Thatcher schmunzelnd verrät. "Es war eine der ersten Zeilen, die wir für das Album geschrieben haben. Wir mussten uns vorher nie um einen Titel kümmern, insofern gingen wir sehr unbedarft an die Sache ran."

Unschuld und Rohheit der wilden Jugendtage sind auf dem neuen Album einer reiferen, durchdachteren Songstruktur gewichen. Schließlich haben Royal Blood in den letzten drei Jahren Erfahrungen für ein ganzes Leben gesammelt. "Für uns ist es eine natürliche Weiterführung des Debüts, nur mit mehr Experimentierfreudigkeit und einem durchdachteren Zugang. Das Album vereint einerseits die dunkelsten und schwersten, andererseits aber auch die hellsten Seiten der letzten Jahre." Wer sich bedingungslos in das Debüt verliebt hat, der wird mit "How Did We Get So Dark?" wohl einige Anlaufschwierigkeiten haben. Kerr und Thatcher gemahnen bei Songs wie "Lights Out" oder "Hook, Line And Sinker" stark an Muse, lassen dem Mainstream- Gedanken mehr Platz und haben sogar - kaum hörbare - Hip- Hop- Einflüsse aus dem privaten Bereich eingeflochten.

Fehlende Angriffslust

"Es gibt da sicher eine klangliche Verbindung, die etwas hervorsticht", gibt Thatcher zu, "die Frühwerke von Muse waren nicht nur für uns, sondern für den Rock im Allgemeinen erfrischend und aufregend. Sie kreierten tolle Rhythmen und Melodien, ohne aber die Progressivität zu verlieren. Diesen Vergleich zu unseren neuen Songs kann ich absolut nachvollziehen." Obwohl Thatcher selbst gerne nachhaltig betont, bewusst experimentierfreudig und weitläufig vorgegangen zu sein, wirkt "How Did We Get So Dark?" phasenweise verkrampft und schielt manchmal etwas zu offensichtlich auf die Erfolge des Erstwerkes. Das Album braucht definitiv Zeit um zu wachsen, die Spontanität und Angriffslustigkeit ist den beiden über die anstrengenden Jahre dennoch verloren gegangen.

Ihre wahren Stärken entfalten Royal Blood aber ohnehin auf der Bühne - und sie wären nicht die erste Band, die aus einem kontroversen Album durchschlagende Live- Granaten formen würden. Nachdem das britische Duo jahrelang den ganzen Globus beackerte, tat die Pause gut, um die Batterien wieder neu zu laden. Die ersten Festivalshows und Tour- Termine wurden bereits bekanntgegeben, mit einem Österreich- Aufenthalt ist angesichts des straffen Plans wohl nicht vor 2018 zu rechnen. "Wir sind aber auf jeden Fall wieder hungrig und motiviert. Es wird Zeit, dass wir die Bühnen wieder niederreißen." Mit zwei Alben im Gepäck sollte dies auch einfacher zu bewerkstelligen sein.

Live zu sehen sind Royal Blood am 5. November als Support der Queens Of The Stone Age in der Wiener Stadthalle.

Redakteur
Robert Fröwein
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