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18.08.2017 - 20:38
Foto: F. Holoubek

Russkaja gehen wieder auf musikalische Weltreise

02.08.2017, 17:00

Österreichs verrücktester Pop- Export Russkaja meldet sich wieder zurück. Auf dem brandneuen Album "Kosmopoliturbo" versucht sich das Punk- Balkan- Polka- Kollektiv auch im Electropop- und Italowestern- Bereich. Ganz nach dem Motto "only the sky is the limit" erweitern sie ihren musikalischen Horizont ein weiteres Mal. Sänger und Frontmann Georgij Makazaria stand uns für ein entspanntes Gespräch zur Verfügung.

Fehlende Umtriebigkeit kann man Georgij Makazaria nicht vorwerfen. Seit der Frontmann von Russkaja samt Band vor mehr als zehn Jahren durch den ORF- Dauerbrenner "Willkommen Österreich" ins nationale Licht der Öffentlichkeit rückte, ist er eine vielseitige Institution in der Kulturlandschaft. Neben den mit russischem "r" gehackt vorgetragenen Ska- Punk- Polka- Hymnen seines Hauptarbeitgebers, erwies sich der 43- Jährige in den letzten Jahren auch kundig und erfolgreich als Musicalstar, Hörspieleinsprecher und "Dancing Stars"- Teilnehmer. Mit Partnerin Maria Santner erreichte er 2016 den respektablen dritten Platz, auch wenn man dem in Moskau geborenen Hünen auf den ersten Blick kein Gespür für das Filigrane zutrauen würde. "Tanz und Musik sind für mich unzertrennlich", erinnert er sich im "Krone"- Interview freudig an diese Zeit zurück, "es war schwer und anstrengend, hat aber brutal Spaß gemacht. Mir wurde die Herausforderung angeboten und ich habe sie angenommen."

Stete Weiterentwicklung

Auf der Bühne Baden ist Makazaria als Jupiter in der Operette "Orpheus in der Unterwelt" zu sehen - für den versierten Rampentiger und vierfachen Familienvater kein Neuland, aber eine zeitliche Zusatzherausforderung. "Mich Chamäleon zu nennen ist eine lustige, aber durchaus passende Zuschreibung. Ich kannte das Stück davor nicht und sah es als persönliche Herausforderung. Lampenfieber verspüre ich dabei keines, ich habe eher andere Schwächen. Beispielsweise kämpfe ich immer noch stark mit der Sprache, weil ich auch nach fast 30 Jahren in Österreich noch immer Deutschfehler mache. Nebenbei konnte ich mein Notenlesen wieder auffrischen und fühlte mich in meine Jugend zurückversetzt, als ich Klavier studierte. Für mich sind diese Projekte eine persönliche Weiterentwicklung."

Neben all diesen Spielplätzen galt es schließlich auch, im Brotberuf wieder in den Vordergrund zu treten. Das nur schwer zu kategorisierende Musikerkollektiv Russkaja hat sich über die letzte Dekade zu einem der erfolgreichsten und wichtigsten Exporte heimischer Populärmusik entwickelt. Die fröhlichen, gerne zwischen Punk, Ska, Reggae, Metal und Polka changierenden Hymnen sprechen eine universelle Sprache und feiern ihre Erfolge längst über den deutschsprachigen Raum hinaus. Strenge Kritiker werfen Russkaja allzu gerne Redundanz vor, doch vielmehr gelingt es den Wienern auch auf dem fünften Album "Kosmopoliturbo" wieder sehr geschickt, die Schnüre des eigenen Korsetts zu lockern, ohne aber stilistisch herauszufallen. " Wir setzen uns keine Grenzen und machen, was uns gefällt. Natürlich haben alle Songs eine Russkaja- Handschrift, schließlich stehen wir im Prinzip für einen bestimmten Klang. Aber neben den typischen Balkan- Rhythmen haben wir dieses Mal auch Wiener Walzer, Electropop, Seemannslieder und Italowestern- Referenzen eingebaut."

Ein kleines Dankeschön

Fürwahr - selbst eine bunte Truppe wie Russkaja lehnt sich dieses Mal sehr gewagt aus dem Fenster und lässt nichts unversucht, sich selbst so gut wie möglich zu fordern. Beim Song "Still In Love" wird sogar Autotune verwendet, "Hello Japan", eine Ode an eines der Lieblingstourländer der Band, startet mit einem knackigen Metal- Riff, bevor es zum gewohnt partytauglichen Polka- Rhythmus übergeht. "Seit es 2012 den großen Umbruch und viele Besetzungswechsel in der Band gab, hat sich die typische Russkaja- Atmosphäre wieder feurig entfacht. Wir sind seit mittlerweile fünf Jahren gut eingespielt und wissen, worauf es uns ankommt." Das kann durchaus mal ein kleines Dankeschön sein, wie im Song "La Musica" an das spanische Publikum. "Ich spreche ja so einige Sprachen und darunter fließend Spanisch. Wir haben vor ein paar Jahren mal in Madrid gespielt und wurden dort von ca. 600 Fans so unerwartet euphorisch empfangen, dass ich mir wie Herbert Grönemeyer vorkam", lacht Makazaria, "wir treten dort eigentlich immer öfter auf."

"Kosmopoliturbo" ist wieder eine Produktion zwischen Makazaria und Gitarrist Engel Mayr. Bereits im Herbst 2015 setzten sich die beiden erstmals zusammen, um erste Ideen in Form zu bringen. Aufgrund der vielen Verpflichtungen innerhalb und außerhalb der Band, ist es für die Russkaja- Chefs nicht immer leicht, ausreichend Zeit für alle Ideen zu finden. Die Bedeutung hinter dem Albumtitel, die lässt sich Makazaria gerne von Fans und Hörern geben. "Lustigerweise haben den Titel einige Menschen mit Kritik am Turbokapitalismus verbunden. Je öfter ich diese Variante höre, umso interessanter finde ich sie. Schnell wachsende, kosmopolitisch vernetzte Völker sind sicher ein Thema auf dem Album, aber unser wichtigstes Anliegen ist die Freude."

Raus aus dem Alltag!

Ein dezidiert politisches Album hatten Russkaja nicht im Kopf. "Das Leben war doch schon immer Yin und Yang. Es ist weder alles auf der Welt schlecht, noch gut, sondern meist im Gleichgewicht. In unserer Musik sind wir völlig frei von politischen Aussagen und Manifesten. Ich versuche den Menschen bei unseren Konzerten vorwiegend die Botschaft von Liebe und Freude zu vermitteln. Bei Russkaja kriegt ihr immer eine Portion gute Vibes, die euch für eineinhalb Stunden aus dem grauen Alltag herausholen." Das tun Russkaja im Herbst auch einige Male in Österreich.

Das neue Album "Kosmopoliturbo" wird von Makazaria und Co. am 6. Oktober im Grazer ppc, am 7. Oktober in der Simm City Wien, am 12. Oktober im Linzer Posthof, am 13. Oktober im Dornbirner Conrad Sohm, am 14. Oktober im Treibhaus Innsbruck, am 17. November im Salzburger Rockhouse und am 22. Dezember im Röda in Steyr präsentiert. Weitere Infos und Tickets unter www.russkaja.com .

Redakteur
Robert Fröwein
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