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29.05.2017 - 04:16
Foto: Alasdair McLellan

The XX: "Wir haben uns endlich wieder gefunden"

12.03.2017, 08:00

Fünf lange Jahre mussten die Fans der britischen Durchstarter The XX warten, bis mit "I See You" diesen Jänner endlich das dritte Studioalbum in den Läden stand. In diesen fünf Jahren kämpften Romy, Oliver und Jamie aber nicht nur mit dem Erfolgsdruck, sondern auch um ihre Freundschaft und das Finden ihres Platzes in einer Welt, die sich durch den Ruhm um 180 Grad gedreht hat. Selbstsicher und gestärkt gingen sie daraus hervor und sind nun bereit, die Indie- Welt endgültig zu erobern. Soundtüftler Jamie Smith spracht mit uns über das Phänomen seiner Band - so schüchtern und introvertiert, wie man ihn sich vorstellt.

Rund 7.000 Fans ließen sich in der Wiener Marx Halle von den elegischen Indie- Rhythmen der populären Vorzeigehipster The XX mitreißen. So manche Band scheiterte kläglich daran, in der kahlen, künftig nicht mehr für Veranstaltungen zur Verfügung stehenden Halle für Atmosphäre zu sorgen, doch die drei Twentysomethings Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith spielten sich förmlich mit ihren ergebenen Fans. Wie keine zweite Band versteht es das britische Trio, nicht nur famos den Indie- Zeitgeist zu treffen, sondern sich auch abseits eingetretener Formatradio- Pfade ein Mainstreampublikum zu erspielen.

Zufriedenheit statt Erleichterung

Das dritte Studioalbum "I See You", in einem quälenden und lang andauernden Prozess ganze fünf Jahre nach dem eher mäßig rezipierten "Coexist" entstanden, eroberte die obersten Chartregionen in Europa, als auch den USA mit beeindruckender Mühelosigkeit. All der Druck, die hohen Erwartungen und das latente Gefühl, sich immer und immer wieder für die Albumverzögerungen entschuldigen zu müssen, prallten an den drei Jugendfreunden ab wie Gummibälle in der Turnhalle. "Ich bin sehr froh, dass das Album so einen Erfolg verzeichnet", gestand Soundtüftler Jamie Smith vor der Wien- Show backstage im "Krone"- Interview, "aber Erleichterung ist das falsche Wort. Ich bin einfach glücklich."

Das gemeinsame Glück ging den drei Nerds nach den beiden hochgelobten Alben Anfang dieses Jahrzehnts etwas verloren. Mit der Livesituation konnten die schüchternen Jungstars seit jeher schwer umgehen, das Rampenlicht schien immer zu grell und die radikal gestiegene mediale Aufmerksamkeit passte so gar nicht in das zwanglose Lebenskonzept dreier Vollblutmusiker, die am liebsten nichts anderes machen möchten, als an ihren Songs tüfteln und diese zu veröffentlichen. Etwas vorschnell gaben sie im Mai 2014 bekannt am dritten Studioalbum zu arbeiten, doch zu dieser Zeit haben sich die drei Jugendfreunde aufgrund der geänderten Lebensverhältnisse längst voneinander entfremdet.

Reißleine gezogen

"Wir waren weiter voneinander entfernt als je zuvor", erinnert sich Smith leise murmelnd zurück, "das ganze Leben ist ein Prozess des Suchens und des Findens. Man lernt mit der Zeit, die Gegebenheiten zu akzeptieren und den anderen mit all seinen Stärken und Schwächen zu respektieren. Wenn man so früh so viel Erfolg hat, dann kann es schon mal passieren, dass man die Bodenhaftung verliert. Wir wussten, dass sich das wieder ändern müsse." Smith zog eine temporäre Reißleine und konzentrierte sich auf sein zweites Soloalbum "In Colour". Insgesamt fünf Jahre schraubte er an dem elektronischen Werk, das Fans und Kritiker gleichermaßen begeisterte und zumindest indirekt auch wieder den Kreis zu The XX schloss.

"Wir haben uns irgendwann wieder im Studio zusammengesetzt und darüber geredet, was wir eigentlich wollen, was uns Spaß macht und wohin wir künftig hingehen möchten." Eine notwendige, aber wichtige Situation, die aus drei Einzelindividuen wieder eine kongruente Band mit Zielen und Vorhaben reformierte. Der so oft beschworene Zeitgeist war dem Trio auch für "I See You" wichtig. "Wir wurden von Freunden und anderen Musikern mit neuen Klängen infiziert, außerdem ist der Musikkonsum der Menschen heute allgemein breiter als früher. Deshalb spiegelt unser neues Album für mich die Gegenwart bestmöglich wider."

Raus in die weite Welt

Für "I See You" wagten sich Smith, Croft und Sim aus ihrer Komfortzone und nahmen erstmals außerhalb von London auf. In New York, Los Angeles und sogar Reykjavik tüftelte die Band an den Songs, die teilweise flotter, lebensbejahender und poppiger klingen als je zuvor. "Es war für uns längst an der Zeit, aus dem kleinen Raum in London rauszukommen - die Enge hatte alles sehr intensiv und schwierig gemacht. Im Gegensatz zu früher haben wir die Songs anderen Menschen schon während des Entstehungsprozesses vorgespielt, anstatt uns im verregnet- grauen London einzusperren."

In punkto Kreativitätspool würden sie ihre Heimat aber niemals mit einer anderen Stadt tauschen wollen. "Hier treffen mehr verschiedene Kulturen aufeinander als in jeder anderen Stadt. Alles vibriert und man ist immer in Bewegung. Für Kreative ist London ein großartiger Hort, denn du kannst immer etwas unternehmen und dir wird - wenn du willst - keinen einzigen Tag fad sein." Diese wiedergewonnene Unbekümmertheit projizierten die Musiker nun auch auf die Bühne. "Es stimmt, wir brauchen schon immer ziemlich lange, um in den richtigen Flow zu kommen. Es fällt uns oft schwer, die gute Stimmung in einem Konzertsaal zu absorbieren, aber wir kommen immer besser damit klar."

Gefestige Persönlichkeiten

Die Angst, dass The XX wieder untereinander zerbrechen könnten, hat Smith nach der überstandenen Mini- Krise nicht - auch wenn er manchmal mit den Tücken des Erfolgs zu kämpfen hat. "Es kann tatsächlich passieren, dass wir von den hohen Erwartungen der Menschen da draußen verunsichert werden. Ich denke dann zu viel und zu lange über bestimmte Dinge nach und verunsichere mich damit selbst. Das ist natürlich nicht gesund, aber man kann nicht immer etwas dagegen tun." Am Wichtigsten ist aber ohnehin die Kernbotschaft von "I See You" - nämlich Freundschaft. "Das ist viel wichtiger als das bloße Kreieren von Musik. Wir haben uns wirklich lange Zeit ziemlich ignoriert und zu wenig aufeinander aufgepasst. Jetzt haben wir uns aber wieder gefunden."

Redakteur
Robert Fröwein
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