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22.07.2017 - 04:38
Foto: Zwefo

Kern über Neuwahlen: "Kann die ÖVP nicht anbinden"

13.05.2017, 16:55

Die Neuwahl- Forderung von Außenminister Sebastian Kurz sei für ihn nicht überraschend gekommen, so Bundeskanzler Christian Kern - nur, er halte diese für einen Fehler. Er wäre gern den Weg der Koalition weitergegangen, sagt Kern im "Krone"- Interview. Der Weg klingt beim SPÖ- Chef schön und erfolgreich, und gar nicht so holprig, schmutzig und unergiebig, wie er tatsächlich war. Aber natürlich gehe er jetzt von Neuwahlen aus, schließlich könne er die ÖVP nicht anbinden, so der Bundeskanzler.

"Ich habe den Wechsel an der Spitze der ÖVP eigentlich als Chance begriffen, um gemeinsam weitreichende Reformen durchzusetzen", sagt Kern. Dann spricht er von Reformen, 130 Gesetzen, die die Regierung beschlossen hat, der Arbeitslosigkeit, die zurückgegangen ist, dem Integrationspaket, dem Wachstum. Klingt alles wunderbar, fast wie im Paradies.

Foto: AFP, APA/AFP/Robert Atanasovski, APA/AFP/Fabrice Coffrini

Die Realität in der rot- schwarzen Koalition sah jedoch so aus, dass der gegenseitige Hass und die Verachtung ein bisher ungekanntes Maß angenommen hatten, dass es ständig verbale Attacken gab, Beschlüsse blockiert worden sind. "Man darf das nicht schönreden", gibt dann auch der Kanzler zu. Und weil er die ÖVP "nicht anbinden" könne, werde es jetzt wohl Neuwahlen geben.

"Aufgabe wahrnehmen, die Wähler mir zuordnen"

Den Dreikampf um die Spitze  sieht auch Christian Kern als hartes Match, allerdings erwartet er, dass es sich doch auf die Entscheidung zwischen SPÖ und FPÖ zuspitzen werde. Falls er nicht Erster wird und Bundeskanzler bleibt, will Christian Kern nicht den Hut nehmen. "Ich habe gesagt, dass ich zehn Jahre in der Politik verbringen möchte. Ich werde die Aufgabe wahrnehmen, die mir die Wähler zuordnen.

Foto: Zwefo

Welt außerhalb der Politik empfehlen

Was meint der Bundeskanzler zu Sebastian Kurz, dem neuen Chef der ÖVP? "Ich schätze ihn persönlich und halte ihn für ein politisches Talent. Aber unsere Lebenswege unterscheiden sich erheblich. Ich habe auch eine Welt außerhalb der Politik gesehen - das kann ich nur jedem empfehlen." Und Kern konstatiert, dass der persönliche Ehrgeiz von Sebastian Kurz größer sei als die Verantwortung.

"Da ist die ÖVP zu weit gegangen"

Der Bundeskanzler hat von Sebastian Kurz gefordert, dass sich dieser entschuldige.  Wofür und was genau hat er damit gemeint? Christian Kern wird hörbar emotional. "Wenn meine Familie da reingezogen wird, kann ich das nicht akzeptieren. Wenn sie niedergemacht und vorgeführt wird. Da ist die ÖVP zu weit gegangen." Die Schwarzen hatten sich in den vergangenen Tagen auf Niko Kern, den Sohn des Kanzlers, eingeschossen, der auf Twitter Kurz mit Diktator Idi Amin verglichen hatte, den Tweet aber rasch wieder gelöscht hatte. 

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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