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01.05.2017 - 04:34
Foto: Zwefo

Packen Sie das, Frau Mikl- Leitner?

18.03.2017, 16:55

Einzige Landeshauptfrau, einzige ÖVP- Bundesländer- Chefin. Sechs Tage vor dem Landesparteitag in Niederösterreich spricht Johanna Mikl- Leitner (52) mit Conny Bischofberger über hohe Erwartungen, ihr Selbstbild als Frau und Politikerin und darüber, wie sie Halt im Glauben findet.

Rendezvous mit der künftigen "First Lady" von St. Pölten. Als Treffpunkt hat Johanna Mikl- Leitner das Foyer des niederösterreichischen Landtags gewählt - gleich nebenan wird sie in wenigen Wochen zur ersten Landeshauptfrau Niederösterreichs gewählt.  "Ist das nicht ein traumhafter Blick?", fragt sie und lässt ihren Blick über das mit Architektur- Preisen ausgezeichnete Regierungsviertel schweifen. Die riesigen Glasfronten verleihen dem Raum etwas Flüchtiges, Fragiles. Als Kontrapunkt sind am Boden große, runde Steine wie ein Gesamtkunstwerk arrangiert.

Vor den Fahnen Europas, Österreichs und Niederösterreichs nimmt Mikl- Leitner im schwarzen Lederfauteuil Platz. Sie trägt ein sandfarbenes Ensemble - vom Sakko bis zu den Pumps ist alles sandfarben - und gute Laune. Im Interview findet die Nachfolgerin von Erwin Pröll immer wieder eine Gelegenheit zu scherzen.

"Krone": Frau Mikl- Leitner, darf man schon "Landeshauptfrau" zu Ihnen sagen?
Johanna Mikl- Leitner: Eigentlich erst ab dem 19. April. Aber manche nennen mich schon jetzt so. Ich war in den letzten Wochen ja sehr viel unterwegs und da reden mich einfach viele Menschen an, die sich freuen. Natürlich auch Frauen, die sich freuen, dass jetzt einmal eine von ihnen an der Spitze steht.

Einzige ÖVP- Landeschefin, einzige Landeshauptfrau: Welches Symbol ist das für die Frauenpolitik?
Ich glaube, dass es ein sehr positives Signal ist, das vielen Frauen Mut machen wird, ebenfalls Funktionen zu übernehmen oder anzustreben. Denn da gibt es immer noch einen großen Unterschied. Wenn Männern Positionen angeboten werden, sagen sie ohne Wenn und Aber "Ja". Frauen hingegen hinterfragen mehr, da gibt es Hunderte "Wenn" und "Aber". Weil Frauen ihre Arbeit nicht nur hundertprozentig, sondern tausendprozentig gut machen wollen.

Sie auch?
Ich auch.

Bezeichnen Sie sich als Feministin?
Im positiven Sinn Ja.

In welchem Sinne könnte man es noch sehen?
Wenn es darum geht, für die Interessen der Frauen einzustehen, dann Ja. Wenn es darum geht, dem verpflichtenden Binnen- I eine große Wertigkeit beizumessen, dann bin ich keine Feministin.

Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Täuscht der Eindruck, dass Sie sich in der Männerwelt besonders wohl fühlen?
Nein, der täuscht nicht. Aber ein guter Mix zwischen Frauen und Männern ist wichtig. Vier von neun Regierungsmitgliedern in Niederösterreich sind weiblich. Die Quote ist bei uns also nicht so schlecht.

Wenn Ihnen ein Mann ganz blöd kommt, zum Beispiel mit einem sexistischen Witz: Wie reagieren Sie?
Das kommt nicht vor. Da ist der Respekt zu groß. Wenn es vorkäme, wäre meine Reaktion unmissverständlich, das können Sie mir glauben.

Frau Mikl- Leitner, Erwin Pröll hat drei Amtsperioden hindurch die absolute Mehrheit in Niederösterreich erreicht. Wie wollen Sie seine Ergebnisse auch nur annähernd halten?
Wahlergebnisse sind keine Erbpacht. Gerade in der heutigen Zeit, wo es ja immer weniger Stammwähler, sondern immer mehr Wechselwähler gibt. Zustimmung muss man sich Tag für Tag erarbeiten. Darum wird es in den nächsten Monaten gehen. Durch konsequente Arbeit zu überzeugen.

Schon, aber werden Sie das packen? Der Absturz ist doch vorprogrammiert.
Jetzt über mögliche Ergebnisse zu reden wäre zu früh. Meine Ziele und Schwerpunkte werde ich beim Landesparteitag und auch in meiner Regierungserklärung bekanntgeben. Ich werde am kommenden Samtag um eine breite Unterstützung werben, um ein starkes Signal. Dann folgt ein Jahr intensiver Arbeit. Zuletzt wird es einen kurzen, intensiven Wahlkampf geben, und dann schauen wir.

Foto: APA

Sitzt da auch ein bisschen Angst im Hinterkopf, oder zumindest Respekt?
Wer mich kennt, der weiß, dass ich in jeder Verantwortung, die ich innehatte, mit großem Engagement und mit voller Kraft arbeite und das werde ich auch jetzt tun. Angst wäre da ein schlechter Begleiter.

Hatten Sie gar nie Zweifel, ob Sie der Doppelfunktion gewachsen sind?
(Mikl- Leitner scheint zunächst völlig überrascht über eine derartige Frage zu sein. Dann wiederholt sie sinngemäß ihre letzte Aussage) Mein Werdegang lässt erkennen, dass ich sehr entschlossen bin, dass ich meine Ziele mit aller Energie und Kraft umsetze. Schnell, kompetent und locker im Umgang. Keine Zweifel.

Warum hat Erwin Pröll Sie ausgesucht?
Es wäre vielleicht besser, ihn selber zu fragen. Er kennt natürlich meinen Weg. Wir haben über Jahre intensiv zusammengearbeitet und deshalb ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Und er hat für sich erkannt, es sind die Weichen zu stellen.

Die "Heimholung der Hanni" von der Bundesregierung zurück nach Niederösterreich war ja perfekt inszeniert und wie sich herausgestellt hat von langer Hand geplant. Konnten Sie eine bessere Innenministerin sein, weil Sie gewusst haben: "Ich muss es nur höchstens fünf Jahre aushalten"?
Nein. Ich war Innenministerin mit Herz und Seele. Aber ich bin auch mit Herz und Seele Niederösterreicherin. Jede Zeit hat ihre Herausforderung ...

Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER

Apropos Herausforderung: Hat man als Pröll- Nachfolgerin überhaupt einen Spielraum?
Ja, weil die Herausforderungen und Rahmenbedingungen heute wieder ganz andere sind als vor 25 Jahren. Daraus ergeben sich zwangsläufig neue Aufgaben und neue Handlungsspielräume. So wie Erwin Pröll damals neue Wege gegangen ist, werde ich auch neue Wege gehen. Wir sind beide starke Persönlichkeiten, und gehen beide auf Menschen zu. Ich bin ja in einer Greißlerei groß geworden, das war eine gute Schule. Aber wir stammen aus unterschiedlichen Generationen.

Sie werden am 19. April das Büro von Erwin Pröll beziehen. Haben Sie vor, es neu zu gestalten?
Nein, ich werde alles lassen, höchstens die Möbel vielleicht umgruppieren. Und alles mit meinem persönlichen Flair umgeben. Fotos von meinen Kindern, Bilder junger Künstler.

Ange von der Elfenbeinküste, Prölls afrikanischer Kellner, wird bleiben?
Selbstverständlich, das Team wird bleiben.

Von der eisernen Lady zur charmanten Landesfürstin: Wird sich da eigentlich auch bei Ihrem Kleidungsstil etwas ändern?
Mein Motto bleibt dasselbe: hart in der Sache, charmant im Umgang. Am Kleidungsstil wird sich nichts ändern.

Reicht Ihr Dirndl- Sortiment für das Amt der niederösterreichischen Landeshauptfrau?
(Lacht) Ich habe mir tatsächlich erst vor Kurzem beim Heimatwerk Niederösterreich ein neues gekauft. Beiger Samt, grüne Jacke und Schürze. Ich hab jetzt insgesamt drei, die mir noch passen. Das wird reichen.

Sie haben nicht gegen die "Landesfürstin" protestiert ...
Mit diesem Begriff kann ich in meiner Funktion eigentlich nichts anfangen. Ich sehe mich eher als Landesmanagerin mit Herz.

Ex-Innenministerin Mikl-Leitner, nunmehr Chefin der niederösterreichischen ÖVP
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH

Als Landesmutter vielleicht?
Mutter bin ich zu Hause, für meine zwei Töchter.

Wird Ihr Mann Sie in Zukunft oft begleiten müssen?
Nachdem ich für den Kunst- und Kulturbereich verantwortlich sein werde, freut er sich als Hobby- Künstler, wenn er bei dem einen oder anderen Termin dabei sein darf. Aber ich erwarte es nicht von ihm.

Hält die Ehe so eine Karriere aus?
Ja, Gott sei Dank! Denn ohne den Rückhalt meiner Familie und meines Mannes, der das gesamte Familienmanagement übernommen hat, wäre das alles nicht möglich. Mit ihm im Rücken ist es die letzten 20 Jahre gut gegangen. Ich hoffe, es wird auch die nächsten 20 Jahre gut gehen.

Was ist wichtig im Leben außer Familie und Job?
Die Gesundheit. Und der Glaube spielt auch eine Rolle.

Darf man Sie auch fragen, ob und wann Sie beten?
Sie dürfen mich fragen und ich sage Ja. Ich bete jeden Tag vor dem Schlafengehen.

Worum bitten Sie Gott da?
Ich bin eher jemand, der sich bedankt.

Vermissen Sie Wien noch manchmal?
(Überlegt keine Sekunde)
Wien liegt ja mitten in Niederösterreich. Also muss ich es nicht vermissen.

Ihre Karriere

Geboren am 9. Februar 1964 als Tochter einer Kaufmannsfamilie in Hollabrunn. Studium der Wirtschaftspädagogik, zunächst arbeitet sie als Lehrerin an einer HAK. Seit 1995 bei der ÖVP. Ab 2003 Sozial- Landesrätin in Niederösterreich, ab 2011 ÖAAB- Chefin und Innenministerin. "Hanni", wie die künftige "First Lady" von St. Pölten von Freunden genannt wird, hat insgesamt drei Geschwister, darunter eine Zwillingsschwester namens "Nelli". Verheiratet mit Hobbykünstler Andreas Mikl, zwei Töchter (Larissa ist 12, Anna 15 Jahre alt).

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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