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22.09.2017 - 21:03
An Irlands Küste
Foto: stock.adobe.com

Irland: Der Luxus der Langsamkeit

05.09.2017, 08:15

Irland ist wunderschön. Bootfahren ist lustig. Ergibt in Summe: einen traumhaften Urlaub auf dem Hausboot, von dem man "geerdet" zurückkommt. Und glücklich!

Wahnsinn. Natürlich haben wir es uns auf der Karte angeschaut, natürlich vorab die Bilder gesehen. Aber der Anblick des Shannon, des prächtigen Flusses inmitten von Irland, dann so in echt, der ist schon gigantisch. Wer gedacht hatte, dass er hier ein bissl auf dem Hausboot auf einem Flüsschen "rumdümpelt", der kriegt schnell einen ziemlich anderen Eindruck. Der Shannon ist riesig. Imposant. Mächtig, oft breit wie ein See. Die Strömung beachtlich. Respekt bekommt man dann schon.

King John's Castle in Limerick
Foto: stock.adobe.com

Aber der John, der gute Geist von "Le Boat" hier an unserem Ausgangspunkt, dem idyllischen Örtchen Carrick on Shannon, der weiß alles. Und erklärt es uns auch ganz genau. Wo die "Hupe" ist bei dem Hausboot, wo man "Gas gibt", wie man die Seekarte liest und gerne, geduldig, auch zum dritten Mal, dass links Back- und rechts Steuerbord ist, das eine grün, das andere rot. Und wie man eine Schleuse meistert. Er beruhigt uns total, "ihr werdet sehen, das ist überhaupt kein Problem, nur Genuss!" Dennoch schmeißen wir bei der ersten Schleuse natürlich trotzdem die Nerven weg: "First- timer, First- timer!", also Anfänger, brülle ich dem Schleusenwärter daher schon von Weitem hysterisch zu. Der grinst nur gutmütig: "No problem, wir haben alle Zeit der Welt. Ich helf euch schon." Und für diese Gelassenheit, ihre Entspanntheit, muss man die Iren noch mehr lieben.

Nach der ersten Schleuse ist dann alles wirklich purer Genuss. Der wahre Luxus ist hier die Entschleunigung. Niemand hetzt, wer gescheit ist, dreht sein Telefon und vor allem Internet ab, und so können wir das alles bewusst aufnehmen, aufsaugen, genießen. Langsam "schwimmt" die Landschaft vorbei, eine wunderbare Gegend.

Nahe Dingle
Foto: senicer/stock.adobe.com

Dieses Grün, das es sonst nirgends gibt auf der Welt, die saftigen Wiesen, auf denen Kühe, Schafe, Pferde weit abseits von Massentierhaltung friedlich, artgerecht, glücklich grasen. Manchmal kommen sie uns nahe, gehen zum Ufer, scheinen uns freundlich zuzunicken, trinken einen Schluck aus dem Shannon. Schwäne begleiten uns auf unserem Weg unter irischem Himmel, in dessen Farbenspiel, diese changierenden Blautöne und wechselnden Wolkenformationen wir gerne eintauchen. Manchmal müssen wir auch schnell unter Deck tauchen - denn es wäre nicht Irland, würde der Himmel nicht auch blitzschnell seine Schleusen öffnen können. Aber mal ehrlich, Irland ganz ohne Regen? Das würde uns doch ziemlich enttäuschen.

Und so fahren wir dahin, gleiten über die - Meere, hätte ich fast gesagt - Wellen. Wo immer wir anlegen, gibt es Köstliches zu essen. Tatsächlich! Wer Irland noch von "früher" kennt, mit dem allgegenwärtigen Lammfleisch und dem Kartoffelpüree, das oft nur zerquetschte fade Erdäpfel ohne Milch oder Butter war, der wird heute staunen. Und mit der Zunge schnalzen! Die Kreationen hier sind unglaublich einfallsreich und wirklich erstaunlich gut. "Es ist eigentlich überall gut", betont der John, der alles weiß. "Weil die Pubs kulinarisch im Wettstreit sind, sich da übertrumpfen wollen." Wir sind die Nutznießer. Irland ist heute allein aus kulinarischen Gründen eine Reise wert, finde ich.

Rock of Cashel nördlich von Cahir
Foto: stock.adobe.com

Wo immer wir anlegen, gibt es aber nicht "nur" köstliches Essen und entzückende Orte. Sondern auch wunderbare Begegnungen - man muss sie nur zulassen. Wir treffen zum Beispiel in Tarmonbarry Paul Dempsey. Der eine Galerie hat, wie es sie wohl nur in Irland so gibt, viel zu winzig eigentlich, mit niedrigen Decken. Und dennoch stellt hier Kenneth Webb, der vielleicht bekannteste und begnadetste Maler Irlands, einige seiner Werke aus. Einfach weil er Paul mag. Der ist ein großartiger und großzügiger Typ. Weil er zusätzlich noch mit dem "Purple Onion" ein Pub hat, für dessen Küche die Leute von weit und breit anreisen, und er sich freut, wie sehr uns seine Galerie taugt, schenkt er uns zum Abschied einfach ein enormes Stück Steakfleisch! "Bratet es auf eurem Boot raus, lasst es euch schmecken!", lacht er uns zu, sichtlich freut er sich, wie verblüfft wir sind. Das ist uns noch nie passiert. Auch nicht, dass ein Pubbesitzer morgens, als wir auf einen Bus warten, aus seinem Lokal kommt und sagt: "Wir haben zwar noch nicht auf, aber ich mach euch einen Kaffee und Toast, wenn ihr mögt."

Begegnungen, die gefallen. Und solche, die echt berühren.

Wie in Moate. Dort hat sich ein Grüppchen älterer, entzückender Menschen mit dem "Dun na Si Heritage"- Park zum Lebensauftrag gemacht, über die Iren und deren aufregende Geschichte zu informieren. Ein ganzes Dorf wurde nachgebaut und zeigt, wie man vor vielen, vielen Jahren lebte, was gegessen wurde, wir hören, dass, wenn einer einen umgebracht hatte, der Mörder sich um die Familie des Opfers kümmern musste. Wie in Schulklassen, versteckt unter Hecken und Büschen, heimlich gelehrt wurde, als der Katholizismus verboten war. Die Iren, die haben Geschichte. Und Geschichten zu erzählen. Uns rührt, wie sehr es dieser entzückenden Gruppe Anliegen ist, uns ihre Welt näherzubringen. Wie Sean Kaye, der mit seinen 70 Jahren begeistert das Tanzbein schwingt, uns irische Volkstänze beibringt und dabei weniger außer Atem kommt als wir. Ehrlich jetzt: Wir haben selten so viel gelacht, so viel geschwitzt und so viel Enthusiasmus erlebt. Hier müssen Sie hin, wenn Sie auf dem Shannon Boot fahren.

Klosterruine Clonmacnoise
Foto: pacolinus/stock.adobe.com

Sie müssen da viel machen und sehen, das Aufzählen ist gar nicht so einfach. Das Kloster Clonmacnoise direkt am Shannon zum Beispiel, diese frühchristliche Klostersiedlung, eingebettet in einer atemberaubenden Kulisse (der Kuchen dort ist auch richtig gut). Oder Athlone, übrigens die einzige Stadt Irlands, die in zwei Grafschaften liegt, ein cooles Schloss hat und, Sie erraten es, ebenfalls vor Geschichte strotzt. Hier offenbart sich eine der ganz großen Stärken, wenn man mit "Le Boat" unterwegs ist: Man legt am Shannon mitten in der Stadt an, kein Hotelzimmer hat einen besseren Blick wie wir vom Bootsdeck, nirgends ist man mehr mittendrin im Ort und im Geschehen.

Der Shannon ist auch deswegen so ideal für Hobbyfahrer, weil es keinen Berufsverkehr gibt. Vorsichtig umschiffen sollte man höchstens die kleinen Ruderboote mit Mannschaften drauf, die Trainer können schon manchmal ganz gut losbrüllen, wenn man ihnen zu viel Wellen schlägt.

Christa Blümel, Kronen Zeitung

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