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26.07.2017 - 10:41
Foto: oeaw.ac.at

Wissenschaftler warnen vor "digitalem Stillstand"

17.05.2017, 10:44

Internet, Mobilfunk, Stromnetze, Wasserversorgung und Verkehr: Die moderne Gesellschaft ist hochgradig digital vernetzt und profitiert von der Funktionsfähigkeit ihrer kritischen Infrastruktur. Zugleich ist diese aber ihre Achillesferse: Sie ist verwundbar durch Unfälle, Naturkatastrophen, Terror oder - wie der jüngste weltweite Hackerangriff gezeigt hat - Cybercrime. Das macht eine neu erschienene Stellungnahme der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit dem Titel "Digitaler Stillstand. Die Verletzlichkeit der digital vernetzten Gesellschaft" deutlich.

Zwar scheint Österreich der Bedrohung derzeit grundsätzlich gewachsen. Dennoch bestehe Verbesserungsbedarf. Zum einen bei der Identifizierung von Sicherheitsrisiken, die durch eine zunehmende Vernetzung kritischer Infrastrukturen entstehen, und zum anderen bei der Abstimmung zwischen den Akteuren, die im Krisenfall Einrichtungen der Infrastruktur schützen sollen. Das geht aus einem rund 90 Seiten umfassenden Bericht des Instituts für Technikfolgen- Abschätzung der ÖAW hervor, auf dem die nun veröffentlichte Stellungnahme basiert.

Vernetzte Technologien, erhöhte Risiken

Damit die Dienstleistungen und Güter des Alltags gesichert sind, müssen beispielsweise Verkehrsleitsysteme oder Wasserversorgung nicht nur unabhängig voneinander funktionieren, sondern zumeist auch reibungslos zusammenarbeiten. Durch die dadurch entstehenden Abhängigkeiten sind vernetzte Infrastrukturen aber auch anfälliger für Störungen und könnten im Extremfall nacheinander ausfallen. Viele dieser Abhängigkeiten sind im Detail bislang wenig bekannt. Das sei ein unterschätztes Sicherheitsrisiko, wie die Wissenschaftler in der Stellungnahme erklären.

Symbolbild
Foto: thinkstockphotos.de

So ist etwa das satellitenbasierte GPS längst nicht mehr nur beim Navi im privaten Auto im Einsatz. "GPS- Signale ermöglichen präzise Zeitangaben, die beispielsweise in Umspannwerken oder im Hochfrequenzhandel in der Finanzbranche genutzt werden", erklärt Studienleiter Walter Peissl. "Kommt es zu einem Ausfall des GPS, könnten Stromnetze oder der Börsenhandel empfindlich gestört werden, zumal es kaum Sicherheitspuffer gibt, die als Back- up einspringen", so der ÖAW- Experte weiter.

Abhängigkeiten von Technologie nehmen zu

Dabei werden die Abhängigkeiten moderner Technologien voneinander in Zukunft noch zunehmen, prognostizieren die Forscher. "Es zeichnet sich ein deutlicher Trend zu hochgradiger Vernetzung ab, der von Smart Homes bis zu Industrie 4.0 und autonomen Systemen reicht. Gleichzeitig wird aus Kostengründen oft bei Sicherheitskonzepten gespart. Diese Kombination kann erhebliche Probleme verursachen", verdeutlicht Stefan Strauß, Koautor der Studie.

Der Politik und den Betreibern kritischer Infrastruktur sei die Problematik grundsätzlich bewusst, verweisen die Forscher unter anderem auf das 2014 von der Regierung beschlossene "Austrian Programme for Critical Infrastructure Protection". Sie orten aber gleichzeitig eine Vielfalt an Strategien, Programmen und Akteuren, die zu "Unklarheiten hinsichtlich der Zuständigkeiten", Überschneidungen und Abstimmungsproblemen führen könne. Auch die Bevölkerung sei bisher noch zu wenig über das Verhalten in Krisenfällen oder über die Umsetzung von Notfallplänen informiert.

Foto: thinkstockphotos.de

Liste an Gegenmaßnahmen

Die ÖAW empfiehlt daher eine Liste an Gegenmaßnahmen, um einen "digitalen Stillstand" zu vermeiden: So sollte eine umfassende Systemanalyse durchgeführt werden und als Basis für eine bessere Abstimmung der Akteure im Bereich der kritischen Infrastrukturen dienen. Die Akteure sollten auch verstärkt zusammenarbeiten und sich österreichweit besser vernetzen.

Empfohlen werden weiters bewusstseinsbildende Maßnahmen, nicht nur für Anbieter und Betreiber kritischer Infrastrukturen, sondern auch für die Bevölkerung. Die Forscher raten zudem die Systemdesigns den aufgezeigten Bedrohungen anzupassen und entkoppelte, also nicht auf anderen kritischen Infrastrukturen aufbauende Notfallsysteme bereitzuhalten.

"Absolute Sicherheit schlicht unerreichbar"

Eines müsse man sich aber ungeachtet aller Maßnahmen bewusst machen: Absolute Sicherheit sei schlicht unerreichbar, betonen die Wissenschaftler. Vielmehr gehe es darum, im Krisenfall möglichst rasch zum Normalzustand zurückkehren zu können. Dafür sei aber nicht nur die Technik entscheidend, sondern auch, dass die betroffene Bevölkerung und die zuständigen Stellen wissen, was im Notfall zu tun ist.

Redaktion
krone.at
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