Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
24.07.2017 - 16:36
Es tut uns leid, Ihr Browser ist veraltet.
Aktualisieren Sie Ihren Browser, um das Video zu sehen.
Foto: krone.tv / Video: krone.tv

Riesenschlangen vor Wiens Sozialhilfestellen

12.03.2017, 15:21

Die Situation bei Wiens Sozialhilfestellen ist alarmierend: Beinahe täglich bilden sich vor den Zentren Riesenschlangen von Menschen in schwierigen Lebenslagen, die um finanzielle Unterstützung ansuchen. Die Beamten sind teilweise mit der Situation überfordert. Bei einem Lokalaugenschein in Wien- Meidling konnte sich krone.tv davon ein Bild machen.

Foto: krone.tv

Die Servicestelle der Stadt Wien - zwölf derartige Einrichtungen gibt es insgesamt - zahlt Geld an Bedürftige und Menschen in schwierigen Lebenslagen aus.

Lokalaugenschein, Wilhelmstraße Nummer 64. Vor dem Sozialzentrum ist die Stimmung gedrückt. Die Menschen, die in der Schlange stehen, ziehen überwiegend lange Gesichter. Viele rauchen, um die Wartezeit zu überbrücken. In ihren Händen halten sie Plastikfolien mit Unterlagen.

Elisabeth, Ahmed und viele andere standen vor dem Sozialzentrum in Wien-Meidling an.
Foto: krone.tv

Die Glastür zum Eingang öffnet sich etwa alle 30 Sekunden. Um 8 Uhr morgens geht es hier los, aber da kommen noch nicht so viele. Um 12 Uhr ist dann schon Mittagspause, und zwar bis 15.30 Uhr. Aber schon um 15 Uhr treffen dann die Ersten ein, schnell bildet sich jetzt eine lange Schlange. Hinter der Glastür: ein Security. Er zählt die Personen ab, die gleichzeitig hineindürfen - fast wie Nachtclub- Securities die Jugendlichen. Einer nach dem anderen kommt an die Reihe. Die meisten wollen vor dem Sozialzentrum nicht gesehen werden. Trotzdem fand krone.tv mit einigen von ihnen das Gespräch ...

Foto: krone.tv

Angelina- Marie, 19: Die junge Frau wohnt mit ihrer kleinen Tochter in einem Mutter- Kind- Heim und ist in Karenz. Vor drei Monaten hat sie einen Antrag auf Sozialgeld gestellt. Da die Frist nun verstrichen ist, muss sie einen neuen Antrag stellen. "Wieder neu anfangen", wie sie sagt. Wegen der Tochter kann sie nicht arbeiten. Sie ist alleinerziehend und wünscht sich eine Gemeindebauwohnung. "Das dauert aber noch zwei Jahre", wie sie uns erzählt. Angelinas Traum? Ihre Tochter in den Kindergarten bringen, eine Wohnung finden, dann kann sie arbeiten.

Anwa Burak begleitet seine Mutter, um für sie erneut einen Antrag auf Mindestsicherung zu stellen. "Manchmal fehlt was, manchmal brauchen sie eine Bestätigung." Das Pech seiner Mutter, die vor knapp drei Jahren nach Österreich gekommen ist: Sie hat noch nie in Österreich gearbeitet. Aber: "Mit 63 ist es schwierig zu arbeiten." Trotzdem brauche sie ein bisschen Geld.

Foto: krone.tv

Robert, 73: Er steht an, weil er für die Pensionsversicherung eine Kopie einholen muss, und raucht eine Zigarette. "Wenn keine Schlange da ist, bin ich in fünf Minuten fertig. Ich muss ja nimma arbeiten - eigentlich darf ich nicht mehr arbeiten, weil sonst nimmt mir das Finanzamt die Hälfte weg." Seine Pensionsbeitrag: "Nicht einmal 900, 850, 860 ich weiß es nicht genau, es geht automatisch aufs Konto." Knapp ist es trotzdem. "Es muss sich ausgehen, mehr als man hat, kann man nicht ausgeben. Wo nix ist, nimmt der Teufel mal was weg."

Foto: krone.tv

Robert erzählt, dass auch sein Sohn hier öfter was zu tun habe, er sei schon ein paar Jahre arbeitslos. "Er will sowas wie Buchhalter werden, er bewirbt sich jeden Tag bei mehreren Firmen und bis jetzt nix." Seinem Sohn fehle ein Führerschein: "Viele Firmen verlangen einen Führerschein und den mag er nicht machen, nicht um die Burg." Und das, "obwohl er schon mit fünf Jahren Auto gefahren ist am Parkplatz" - zumindest diese Erinnerung zaubert ein Lächeln auf Roberts Gesicht.

Ahmed (18) aus Somalia ist seit zwei Jahren in Österreich. Er steht für seine Mutter und für seinen Bruder an und hilft ihnen beim Übersetzten. "Ich suche seit zwei Monaten Arbeit, obwohl ich noch in die Schule geh. Meine Mama kann kein Deutsch", sagt er. Alle sind sie gemeinsam nach Österreich gekommen. Ahmed bleibt hoffnungsvoll, ihm geht es "ganz gut". Er möchte lernen und Mechaniker werden. Ob er schon eine Stelle gefunden hat? Leder nein. Die Anfänge waren schwer, aber "ich freu mich, in Österreich zu sein", sagt Ahmed. In Somalia sei seit 25 Jahren jeden Tag Krieg, dort habe er nicht schlafen können, nicht arbeiten, nicht in die Schule gehen. Ob er Somalia vermisst? "Nein." Er wiederholt sich: "Nein!" Dabei kommen ihm fast die Tränen.

Foto: krone.tv

Matthias Reisinger, 25: Der Wiener ist wegen Kursmaßnahmen und Sonderzahlungen hier. Seit einem Jahr ist er auf Jobsuche. "Das ist mein sechster Anlauf in einem Monat." Er versucht, positiv zu denken. Vor einem Jahr musste Matthias Kursbeiträge für drei Monate nachzahlen, als er eine Arbeit gefunden hatte: "So gleich nach drei Monaten wenn du einen Job hast der Inkasso- Brief, du musst zurückzahlen." Das sei ihm passiert, als er begonnen habe, bei der Volkshilfe zu arbeiten. "Wenn's um Minusgeld geht, sind sie sehr schnell."

Ahmad ist seit fast eineinhalb Jahren in Österreich. Den A1- Deutschkurs hat er bereits bestanden. Jetzt visiert er die Niveaustufe A2 an. Er übt sich in Geduld: "Zuerst muss man lernen, danach eine Arbeit suchen, weiter arbeiten und nicht zu Hause bleiben, weil das ist nicht gut", sagt er. Ahmad weiß, um einen Arbeitsplatz zu finden, müssen eine Ausbildung und Qualifikationen her. "Ich muss eine Ausbildung machen, vielleicht Automechaniker." Sanft sagt er: "Vielen Dank und danke für Österreich."

Foto: krone.tv

Elizabeth Etmann, Sozialarbeiterin in Pension: Sie steht Schlange für eine Klientin. Zur Mindestsicherung will sie klarstellen: "Der wirkliche Skandal besteht darin, wie lange die Menschen warten müssen. Speziell bei der Erstbearbeitung ihres Antrags." Die meisten Anträge seien sogenannte Aufstocker, darunter ganz viele Frauen mit Kindern. Sie fordert mehr Personal "und dass die Wartezeit auf das erste Geld verkürzt wird".

Foto: krone.tv

Um 17 Uhr löst sich die Schlange vor dem Sozialzentrum langsam auf. Sie gehen alle wieder ihre Wege, morgen früh geht's für die Beamten dann aufs Neue los ...

Redakteur
Alexander Bischofberger-Mahr
Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum